Aikido

Von auffälligen Unterschieden in der Technik einmal abgesehen, unterscheidet sich Aikido von anderen Kampfkünsten dadurch, dass es eine reine Selbstverteidigung ist. Im Aikido gibt es keine Angriffsbewegungen. Aikido lehrt, aggressive Kräfte zu neutralisieren oder kontrolliert umzulenken. Durch geschicktes, rechtzeitiges Ausweichen und geschmeidige, fließende Bewegungen passt man sich einem Angriff an und lässt die Kraft des Angreifers ins Leere laufen, so dass der Gegner sein Gleichgewicht verliert und unter Kontrolle gerät.

 

Wenn der Aikido-Übende einer körperlichen Bedrohung ausgesetzt ist, wendet er im Idealfall nur soviel Kraft an, wie nötig ist, den Angriff zu neutralisieren, und versucht gleichzeitig, den Angreifer nicht zu verletzen. Tatsächlich streben ernsthafte Aikidoanhänger sogar nach einer höheren Stufe. Sie versuchen, ihr Leben so zu führen, dass sie unter allen Umständen Konfliktsituationen und potentielle Gewalt spüren und durch Entwicklung von Selbstvertrauen, geschärftem Bewusstsein und Voraussicht ganz vermeiden oder zumindest nach einer für alle Beteiligten positiven Lösung suchen.

 

Aikido gilt als sanfte Selbstverteidigung. Dennoch ist man mit Aikido-Techniken in der Lage, ernsthafte körperliche Schäden oder sogar den Tod des Angreifers herbeizuführen. Die Grundsätze des Aikido schließen solch zerstörerisches Verhalten jedoch aus. Es schult den Körper in seiner Gesamtheit, beeinflusst die geistige Haltung und fördert Einfühlungsvermögen, Konzentration und Reaktion.

 

Die Ausübung von Aikido soll zur Wiederfindung des eigenen Gleichgewichts führen und die harmonische Entwicklung von Körper und Geist fördern. Aikido bringt uns mit unserer Umwelt in Einklang. Viel Wert wird auf die Ausbildung eines stabilen Körperzentrums (hara), den Einsatz des Atems (kokyu) und die Kontrolle und Harmonisierung der körperlichen und geistigen Energien (ki) gelegt. Das Wesen des Aikido liegt nicht im Vernichten oder Besiegen eines Angreifers. Aikido bedeutet "Sieg durch Frieden". Das Ziel des Aikido-Trainings ist die Ausschaltung von Angst und Aggressivität und die Entwicklung der Persönlichkeit und Geisteshaltung. Es geht darum, die Harmonie zwischen Geist und Körper zu finden und ein inneres Kräftepotential zu mobilisieren.

 

Im Unterricht werden nach kurzer meditativer Ruhe, dem zeremoniellen Begrüßen, einer vorbereitenden Lockerungs- und Kräftigungsgymnastik (aiki taiso) und den Fallübungen (ukemi) die aikidospezifischen Abwehrtechniken geübt. Beide Übungspartner nehmen abwechselnd die Rolle des Angreifers (uke) und des Verteidigers (nage) ein und unterstützen sich so gegenseitig im Lernprozess. Die angreifende Kraft des Gegners wird durch entschlossenes Eintreten des Verteidigers (irimi) frühzeitig neutralisiert oder durch runde, natürliche Ausweichbewegungen (tenkan) mit der Kraft des Verteidigers vereint, umgelenkt und gegen den Angreifer zurückgeführt. Man kennt Würfe (nage waza) sowie Techniken, die mit dem Festhalten des Angreifers am Boden enden (katame waza). Gelegentliche Schläge oder Stöße (atemi) stören das Gleichgewicht des Angreifers oder binden seine Konzentration. Auf richtiges Atmen wird beim Aikido besonderer Wert gelegt. Es werden spezielle Atemübungen (kokyu ho) gelehrt. Die Ausführung vieler Techniken wird von einem Kampfschrei (kiai) begleitet, der die eigenen Energien bündelt und die Körperbewegung mit der Atemkraft koordiniert. Ein besonderer Schwerpunkt der Iwama Schule liegt in der Arbeit mit den traditionellen Waffen Holzschwert (aiki ken) und Holzstab (aiki jo) und ihrer Beziehung zu den waffenlosen Techniken (aiki tai / tai jutsu). Im Aikido gibt es keine Wettkämpfe.

 

(nach Weinmann: 'Kampfsport Lexikon' und M. Saito: 'Takemusu Aikido Vol. I)